Ich hätte Laura definitiv gerne schon in meiner Schwangerschaft kennengelernt. Dann wäre mir einiges an Leid erspart geblieben. Viele Sachen habe ich im Gespräch mit ihr erst rückwirkend verstanden. Es macht wirklich Spaß, sich mit jemandem zu unterhalten, der mit so viel Herzblut und Kompetenz bei der Sache ist. Heute könnt ihr ein Interview mit Laura Groom in meinem Blog lesen.

Laura, was sind die Unterschiede zwischen Chiropraktoren, Chiropraktikern und Chirotherapeuten?

Chirotherapeuten sind Ärzte – in der Regel Orthopäden, Sportmediziner oder Hausärzte – die eine 200 Stunden Weiterbildung in der Chiropraktik gemacht haben. Die Chiropraktiker sind Heilpraktiker, die eine Zusatzausbildung gemacht haben – einen Wochenendkurs oder bis zu 6 Monate lang zusätzliche Seminare. Und Chiropraktoren wie ich haben fünf Jahre lang Vollzeit an der Uni studiert. Von Tag 1 an mit Praxis und mit vielen Fächern wie Anatomie, Physiologie oder Chemie, Biologie und Physik. Sehr viel Chiropraktik und Reha. Praktisch dann auch ein Jahr in der Uniklinik, weil es nicht nur um Theorie geht – man muss es auch ausüben können.

Kann man die verschiedenen Bezeichnungen nicht sehr leicht verwechseln?

Man kann es sehr einfach verwechseln, weil es sehr ähnlich klingt, und die meisten Leute hören den Unterschied nicht. Sie kennen schon das Wort „Chiropraktiker“. Viele Ärzte empfehlen deshalb ungerne, weil sie nicht wissen, ob man bei jemandem landet, der nicht so genau weiß, was er tut. Deswegen sprechen sie lieber gar keine Empfehlung aus. Manche Ärzte empfehlen uns direkt.

Worauf ist eure Praxis spezialisiert?

Wir haben zwei Spezialisierungen in der Praxis. Eine sind Schwangere und Kinder und die andere sind Sportler. Aber wir behandeln jeden Menschen mit einem Rücken. Solange man eine Wirbelsäule hat, kann man behandelt werden.

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Bei welchen Problemen kommen Schwangere zu euch?

Da gibt’s viele Probleme, die schwangere Frauen haben: Rückenschmerzen ganz klassisch, Kopfschmerzen, Migräne, Schmerzen zwischen den Schulterblättern, Schmerzen vorne im Bereich des Zwerchfells oder der Rippen, so dass sie Schwierigkeiten haben beim Atmen. Schmerzen im Leistenbereich und Schambein. Ausstrahlende Schmerzen in den Beinen und auch kribbelige, taube Hände.

Viele Schwangere, die uns in der ersten Schwangerschaft kennengelernt haben, kommen von alleine in der zweiten Schwangerschaft, um die Probleme, die sie in der ersten hatten, zu vermeiden.

Ich hatte in meiner Schwangerschaft Schmerzen am Bauch und das Gefühl, dass das Gewebe reißt und mir das Kind aus dem Bauch rausfällt.

Das Gefühl, dass das Kind aus dem Bauch rausfällt, ist häufig eine Schwäche des Beckenbodens. Da können wir sehr viel tun, so dass die Muskeln wieder aktiviert sind und besser arbeiten können. Das ist vor allem ein Problem ab der zweiten Schwangerschaft. In der Regel ist man einfach fitter beim ersten Kind. Man hat viel Zeit gehabt davor, sich auf sich selbst zu konzentrieren, macht auch ein bisschen Sport, wenn man Zeit hat. Mit einem zweijährigen, der zu Hause rumläuft, hat man eh keine Zeit für sich selber und der Beckenboden ist etwas schwächer durch alles, was davor passiert ist. Man hat einfach nicht die Zeit, das wieder aufzubauen.

Kommen Mütter und Kinder auch nach der Geburt zu euch?

Wir helfen beiden – Mutter und Kind. Eine Geburt ist ja für beide nicht ganz einfach und schmerzfrei. Die Frauen haben oftmals Probleme, dass die Hüfte wieder zurück zusammen kommt. Erst muss die Hüfte auseinandergehen, so dass das Kind rauskommen kann, und dann gehen sie langsam wieder zurück. Somit kann es passieren, dass sie tendenziell an der falschen Stelle wieder zurück kommt. Deswegen ist die Rückbildung auch sehr wichtig. Manche Frauen haben ab der zweiten Woche nach der Geburt schon Probleme. Häufige Probleme sind auch zwischen den Schulterblättern, weil man einfach sehr viel trägt. Das ist alles sehr intensiv für den oberen Rücken.

Natürlich merkt das Kind auch den Stress bei der Geburt. Manche Kinder liegen nicht optimal und dann kommt es zu Kaiserschnitt, Saugglocke oder Zange. Diese Kinder haben häufig Probleme mit dem Schädel oder der oberen Halswirbelsäule. Einfach weil sie oftmals auch stecken geblieben sind, dann kommt viel Druck und sie stauchen gegen den Beckenkamm der Mutter. Das ist sehr ungünstig für die obere Halswirbelsäule, und dort entstehen oft Blockaden. Oder es kann durch eine ungünstige Lage in der Gebärmutter sein, dass sie etwas schief rauskommen. Die Probleme äußern sich so, dass sie den Kopf nicht so drehen können von einer Seite zur anderen. Oder nur nach rechts oder nur nach links gucken, also eine deutliche Lieblingsseite haben – das merkt man auch beim Fotoshooting – oder dass der Schädel etwas schief und krumm aussieht.

Die Babys schreien viel und wollen immer getragen werden. „Ich kann das Kind nie ablegen, weil es dann den ganzen Tag schreit.“ Oder man muss das Kind einfach auf dem Rücken liegen lassen, dann ist es glücklich. Anfassen mag das Kind überhaupt nicht. Das ist ein ganz doofes Gefühl, als ob sie die schlimmsten Eltern der Welt sind, was nicht der Fall ist. Das heißt eher, das Kind hat irgendwo Schmerzen, und wir müssen herausfinden wo. Normalerweise liegt es an mechanischen Beschwerden.

Das kann ich mir vorstellen, dass so eine Geschichte für die Eltern schwer zu verkraften ist.

Gott sei Dank, kommt es nicht so häufig vor. So eine „mein Kind hasst mich“ Geschichte höre ich eher 1-2 mal im Jahr. Normalerweise ist eher „Ich kann es gar nicht ablegen. Ich muss es ständig schaukeln, sonst schreit es.“

Manchmal passiert es, dass es Stillprobleme gibt und einfach nichts hilft. Woran kann das liegen?

Wenn der Schädel etwas schief ist, ist es schwierig, richtig zu saugen. Oder es Probleme gibt, den Mund so weit aufzukriegen, dass die Brustwarze reinpasst. Und wenn wir den Schädel verbessern können, kann es sein, dass das Stillproblem damit auch behoben werden kann. In diesem Fall bitte ich darum, das in Verbindung mit einer Stillberatung zu machen. Stillberatung und wir gleichzeitig, das hilft in den meisten Fällen.

Kennen sich Stillberatungen mit so etwas aus?

Manche ja, manche nein. Manche kennen das unter Osteopathie. Osteopathische und chiropraktorische Techniken an kleinen Kindern sind sehr ähnlich. Wir nehmen nicht den Kopf des Kindes und knacken, sondern es ist eine sehr sanfte Behandlungsmethode. Man hält das Kind in einer entspannten Position und hält es, bis es anfängt, sich zu lösen und zu entspannen. Das sind keine schnelle, dramatischen Bewegungen, wo es knackt und knirscht.

Bemerke ich das immer als Mutter? Dass ich sehe „da ist etwas schief, und ich habe gleichzeitig Stillprobleme“ oder passiert das auch bei Kindern, die „gerade“ aussehen?

Es passiert selten bei Kindern, die „gerade“ aussehen, aber auch diese Kinder können Probleme haben, den Nacken oder den Kopf zu bewegen. Dann liegt das Problem nicht wirklich am saugen oder am Schädel, sondern daran dass das Kind nicht in eine vernünftige Position kommen kann durch den Stress im Nacken. Wie bei uns Erwachsenen, wenn wir einen steifen Hals haben. Dann ist es auch mal schwierig, schräg nach rechts zu gucken. Und dann in der Position essen oder trinken müssen, kriegen wir auch nicht so gut hin.

Nehmen wir den Fall einer Schwangeren mit Rückenschmerzen. Könnt ihr grob über den Daumen abschätzen, wie viele Sitzungen es braucht, bis es ihr wieder besser geht?

Das ist von Fall zu Fall sehr unterschiedlich. Wir haben es manchmal gehabt, dass es eine Behandlung brauchte und alles wie bei einer Wunderheilung weg war. Wir haben auch andere Fälle, wo man sagt „Okay, Schmerzen lindern können wir, so dass die Schmerzen zu 50% weggehen und das ziemlich schnell, und so bleibt es“, oder wir haben Fälle, wo nach 6 oder 9 Behandlungen die Schmerzen ganz weg sind. Es ist nicht so schwarzweiß, der Schmerz ist da oder nicht da. Es ist eher eine Skala, und mit jeder Behandlung soll es besser werden.

Als ich schwanger war, wurde mir gesagt, dass ich Krankengymnastik gegen die Rückenschmerzen machen soll. Mit der Begründung, dass bei einer Massage die Schmerzen wiederkämen, und ich bei Krankengymnastik selbst etwas dagegen tun kann.

Und das was wir in der Chiropraktik machen, geht weiter als die Weichgewebe zu entspannen. Das Schwerkraftzentrum des Körpers ändert sich ja durch die Schwangerschaft. Häufig ist es so, dass damit viele Blockaden entstehen. Oder dass die Beckenschiefstellung, die schon vor der Schwangerschaft da war, mit der Belastung deutlich schlechter wird. Somit wollen wir wirklich an den Knochen etwas verändern, so dass man die Ursache aufhebt. Somit ist es anders als bei einer Massage, so dass sich die Muskeln wirklich langfristig entspannen können.
Oft ist es so, dass eine Schwangere dann wirklich eine dauerhafte Linderung und Ruhe hat. In solchen Fällen finden wir Krankengymnastik auch angebracht. Ich gebe den Frauen auch gerne Übungen mit, damit sie etwas haben, womit sie sich zu Hause Linderung verschaffen können.

Ihr geht also auch Hilfe zur Selbsthilfe?

Genau.

Hast du Tipps für die richtige Haltung in der Schwangerschaft?

Wir haben ein paar Tipps für die richtige Haltung, vor allem für das richtige Sitzen – so dass man das Becken entlastet und alles möglichst gerade ist. Man fängt an mit beiden Füssen auf dem Boden, sitzt an der vorderen Kante des Stuhls und zieht die Pobacken auseinander. So landet man wirklich auf den Sitzknochen. Und dann hängt man mit dem Bauch nach vorne. So kann man stundenlang ganz gut sitzen.

Das ist gut zu wissen für Schwangere, die im Büro arbeiten.

Was kostet die Behandlung bei euch? Gibt es die Chance, dass die Krankenkasse etwas übernimmt?

Manche Krankenkassen übernehmen das im Rahmen der osteopathischen Leistungen. Das hängt sehr von der Krankenkasse ab. Sie können sehr gerne in unserer Praxis anrufen, um mehr Informationen zu bekommen oder auch selber bei der Krankenkasse nachfragen. Wobei manchmal Mitarbeiter im Callcenter der Krankenkasse selbst nicht wissen, ob es übernommen wird oder nicht. Eine Anfrage beim zuständigen Sachbearbeiter kann da helfen. Es gibt Versicherungen wie die IKK Brandenburg, die sehr großzügig ist, oder SECURVITA. Die TK fängt auch an, etwas zu übernehmen.
Jeder, der eine Privatversicherung hat, bei der auch Heilpraktiker-Kosten übernommen werden, bekommt auch etwas zurück.

Ist das anteilig, oder kann es sein, dass die komplette Behandlung übernommen wird?

Das ist je nachdem, bei welcher Krankenkasse man ist. Auch bei privaten Versicherungen kommt es darauf, wie deren eigene Tarife aussehen. Deswegen gibt es keine einfache Antwort dafür. Am besten ist die Praxis anrufen oder uns eine Email schreiben, wir können weiterhelfen.

Informationen zur Kontaktaufnahme

Brauche ich eine Überweisung für eine Behandlung bei euch?

Je nachdem bei welcher Krankenkasse man ist. Dafür gibt’s auch keine feste Regel. Es macht Sinn, das im Vorfeld zu klären.

Vielen Dank, Laura!

Vermutlich wisst ihr als gebildete Mama von heute, dass es gut ist, mögliche Optionen zu kennen. Habt ihre Praxis im Hinterkopf, wenn ihr Schmerzen habt und sprecht euren Arzt eventuell direkt darauf an (denkt an den Unterschied zwischen Chiropraktor und Chiropraktiker ;)).

Die Praxis Berlin-Chiropraktoren wird von Laura Groom geleitet. Sie ist erfahrene Chiropraktorin und hat ihr Studium mit dem Schwerpunkt Chiropraktik in ihrem Heimatland Australien an der Macquarie Universität in Sydney erfolgreich zunächst mit dem »Bachelor of Science« und final als »Master of Chiropractic« abgeschlossen. Während des Studiums hat sie solides Wissen in Anatomie, Biochemie, Ernährungsmedizin und klinischer Diagnostik erworben. Nach fast siebenjähriger chiropraktischer Tätigkeit (davon 6 Jahre in Deutschland) hat sie im Sommer 2015 ihre eigene Praxis in Berlin-Mitte gegründet.
Eine spezifische Weiterbildung und langjährige Erfahrungen machen Laura Groom zur Expertin für eine behutsame chiropraktische Behandlung von Kindern und Schwangeren. Zur Linderung von Schwangerschaftsbeschwerden wendet die Chiropraktorin spezielle manuelle Techniken, wie die Webster-Technik, an. Durch sie kann der Druck auf Becken und Wirbelsäule reduziert werden oder sie schafft Raum, damit sich das Baby selbst in die Geburtsposition drehen kann.
Laura Groom hat neben ihrem Abschluss als »Master of Chiropractic« Zertifikate Pediatric Chiropractic, in der Webster-Technik und Applied Kinesiology erlangt, sowie an zahlreichen Weiterbildungen in Sacral-Occipital Technique (SOT, ein spezifischer Teil der Cranio-sacralen Therapie) teilgenommen. Ihre Anerkennung als zertifizierte Sportchiropraktikerin der FICS (Federation Internationale de Chiropratique du Sports) erlaubt ihr, Profisportler zu behandeln und internationale Wettkämpfe, Turniere und Olympiaden als Chiropraktorin zu begleiten.
Die Praxis Berlin-Chiropraktoren ist mit Laura Groom Mitglied der Chiropractic Vereinigung Australiens (Chiropractic Association of Australia), der Deutschen Chiropraktoren Gesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Sportchiropraktik. Laura Groom erhielt als erste Chiropraktorin in Berlin die internationale Anerkennung als Sportchiropraktorin.
Du möchtest mit Chiropraktorin Laura Groom sprechen? Ruf sie unter 030 2887 5433 oder schreibe ihr eine Email.